Stillgelegte Bergwerke gelten häufig als langfristige Herausforderung ehemaliger Bergbauregionen – zugleich eröffnen sie neue Perspektiven für eine nachhaltige Wärmeversorgung. Insbesondere Grubenwasser kann als regenerative Energiequelle zum Heizen, Kühlen und zur thermischen Speicherung genutzt werden. Damit bietet die Grubenwasser-Geothermie interessante Ansätze für die kommunale Wärmeplanung, die Dekarbonisierung von Industrie und Quartieren sowie die regionale Energiewende.
Die Veranstaltung vermittelt praxisnah, wie Grubenwasser-Geothermieprojekte systematisch bewertet, geplant und entwickelt werden können. Behandelt werden die geologischen und hydrogeologischen Grundlagen sowie offene und geschlossene Nutzungssysteme.
Sie lernen zentrale Arbeitsschritte der Standortbewertung und Projektentwicklung kennen – von der Analyse der altbergbaulichen Situation über die Digitalisierung historischer Grubenrisse und die Erstellung von 3D-Grubenmodellen bis zur Verknüpfung ober- und untertägiger Infrastrukturen.
Ein Schwerpunkt liegt auf der thermohydraulischen Grundwassermodellierung: In einem Praxisworkshop wird der Einsatz der Software SPRING demonstriert und anhand erster eigener Modellierungsschritte erprobt.
Ergänzend werden technische Erschließungsmaßnahmen und Bohrverfahren, Grubenwärmespeicher (MTES), rechtliche Rahmenbedingungen, Wärmegestehungskosten und aktuelle Fördermöglichkeiten behandelt. Projektbeispiele und Demonstrationsanlagen zeigen, wie unterschiedliche Nutzungskonzepte in der Praxis umgesetzt werden und welche Faktoren für ihren Erfolg entscheidend sind.
Sie erhalten damit ein fundiertes Verständnis dafür, wie sich das geothermische Potenzial ehemaliger Bergwerke erkennen und belastbar einschätzen lässt. Sie lernen Methoden und Werkzeuge kennen, mit denen Standorte strukturiert untersucht, technische Lösungswege entwickelt und Projekte wirtschaftlich eingeordnet werden können.
Dadurch gewinnen sie eine praxisorientierte Grundlage, um Grubenwasser-Geothermie in der kommunalen Wärmeplanung und Projektentwicklung zu berücksichtigen, geeignete Projektansätze frühzeitig zu identifizieren und die nächsten Schritte auf dem Weg von der Potenzialidee zur Umsetzung gezielt vorzubereiten.
Vorkenntnisse:
Grundkenntnisse in Geologie, Hydrogeologie oder Geothermie sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Das Seminar bietet sowohl einen fundierten Überblick als auch praxisorientierte Einblicke für Interessierte aus Planung, Verwaltung und Wirtschaft.
Hinweis zur praktischen Übung mit SPRING:
Für die Teilnahme an den praktischen Übungen bringen Sie bitte ein eigenes Notebook mit. Für die Dauer des Kurses wird Ihnen eine kostenfreie Programmversion der Modellierungssoftware SPRING zur Verfügung gestellt.
Für die Bereitstellung und Installation der Software setzen Sie sich bitte ca. 1-2 Wochen vor Kursbeginn mit Herrn Torsten Seidel (ts@delta-h.de) in Verbindung.
Bitte beachten Sie, dass für die Installation von SPRING Administratorrechte auf dem verwendeten Notebook erforderlich sind. Stellen Sie daher insbesondere bei dienstlichen Geräten sicher, dass die notwendigen Berechtigungen vorhanden sind bzw. die Installation durch Ihre IT-Abteilung durchgeführt werden kann.